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Coaching im Einkauf - worauf kommt es an?

Sven Czeczatka arbeitet seit 2017 für den BME als Fachreferent und ist Ansprechpartner für die Lehrgänge und Coaching-Services. Der Diplom-Betriebswirt, Trainer und Coach erklärt im Interview, wie man einen qualifizierten Coach findet und worauf man besonders achten sollte. Die Fragen stellte BME-JobSource.
Veröffentlicht am 06.01.2021

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Foto: Sven Czeczatka

Sie arbeiten beim BME unter anderem als Coach mit Einkäufern und Supply Chain Managern. Gibt es Themen, die immer wieder auftauchen?

Ja, viele der Einkäuferinnen und Einkäufer stehen mit dem Schritt eine Weiterbildung zu absolvieren oft auch vor der Frage, wie es beruflich weitergehen soll – hier kann ich als Trainer und Coach aufgrund der eigenen Erfahrungen, wichtige Impulse setzen. Auch berufliche Herausforderungen, zu denen die Einkäufer bisher noch keinen Lösungsfindungsprozess anstoßen konnten, treten häufig in Gesprächen zutage.

Wie findet man den richtigen Coach?

Wer einen passenden und seriösen Coach finden möchte, sollte zunächst einmal sogenannte „Alleskönner“ ausschließen und überprüfen, welche Aus- und Weiterbildungen ein Coach vorweisen kann, bzw. welche beruflichen Erfahrungen und Referenzen er hat. Sinnvoll ist auch, den Coach darüber zu befragen, wie ein Coaching bei ihm konkret ablaufen wird und ob er Coaching-Konzepte verwendet. Darüber hinaus sollte in Erfahrung gebracht werden, mit welchen Methodeneinsätzen der Coach agieren wird und wo er seine Grenze zur Psychotherapie zieht – denn psychische Probleme gehören nicht in die Hände eines Coaches. Auf alle Fälle sollte der Klient mit seinem potentiellen Coach ein Vorgespräch vereinbaren – denn die zwischenmenschliche Chemie und das Vertrauen müssen stimmen.

Gibt es Qualitätsstandards oder Gütekriterien die zu beachten sind?

Die Vielzahl der Coaching-Verbände (DBVC - Deutscher Bundesverband Coaching e.V., DCV – Deutscher Coaching Verband e.V., dvct – deutscher verband coaching & training e.V., DFC – Deutscher Fachverband Coaching) lässt erahnen, wie uneins sich die Verbände selbst sind. Leider gibt es bis heute keinen Qualitätsstandard für Coaches, wie wir sie aus der DIN kennen.
Dennoch lassen sich verschiedene Standards bestimmen, die die Qualität eines Coachings ausmachen. Die International Organization for Business Coaching hat Qualitätskriterien für einen Coaching-Prozess festgelegt, an denen ich mich persönlich orientiere. Hierzu gehört u.a., dass das Coaching stets einen beruflichen Kontext hat, zeitlich limitiert, zielbezogen und ganzheitlich betrachtet stattfindet. Außerdem sollte der Klient freiwillig teilnehmen und nicht vom Arbeitgeber gezwungen werden.

Was zeichnet einen guten Coach aus?

Ein guter Coach sollte seinem Klienten die notwendige Empathie entgegenbringen. Er versucht Impulse zu setzen, neue Denkweisen zu eröffnen und den Klienten ins eigene Handeln zu bringen. Dazu bedarf es häufig mehrerer Lernschleifen beim Klienten, die mitunter für beide Seiten, den Coach und den Klienten, anstrengend und beschwerlich sein können.

Gibt es irgendwelche grundsätzlichen Regeln, wie man am besten einen Coaching-Prozess aufbaut?

Ich bin immer sehr gut damit gefahren, zunächst einmal das Coaching zu initiieren. Denn oft können Klienten selber nicht differenzieren, ob sie ein Coaching oder eher eine Beratung benötigen. Anschließend führe ich eine Bestandsaufnahme des Anliegens des Klienten inkl. der Klärung des Auftrags und Ziels durch. – Für mich ist immens wichtig zu wissen, warum ein Klient sich mir anvertraut und wohin der Weg seiner Reise gehen soll. Im nächsten Schritt geht es um die konkrete Schilderung des Anliegens des Klienten und der Klärung verschiedener Kontexte, also der ganzheitlichen Betrachtung des Anliegens. Im Hauptteil erarbeitet der Klient mit meiner Unterstützung mögliche eigene Veränderungen und Ideen, um Verhaltensmuster aufzubrechen, eigene Lösungen oder Strategien zu entwickeln und neue Herangehensweisen zu formulieren.
Wenn dem Klienten die Veränderungen bewusst geworden sind, begleite ich ihn gerne dabei, diese im beruflichen Alltag umzusetzen, sei es persönlich oder telefonisch. Da das Coaching zeitlich limitiert sein soll, findet dann nach eigener Lösungsfindung des Klienten noch ein Abschlussgespräch statt, in dem ich ihm nochmals aufzeige, welche Wege er selbst gefunden hat, um Veränderungen voranzutreiben.

Woran erkennen Sie, ob ein Coaching erfolgreich war?

An der Zufriedenheit des Klienten. In einem abschließenden Feedbackgespräch spiegelt sich für mich wieder, ob der Klient meine Empathie wahrgenommen hat und wieviel Vertrauen er mir entgegenbringen konnte. Als erfolgreich sehe ich ein Coaching an, wenn der Klient sein gesetztes Ziel erreicht oder sich diesem zumindest in Teilschritten genähert hat.

Mit welchen Techniken und Methoden arbeiten Sie bei Ihrem Coaching?

Neben der Anwendung von NLP kann ich eine bestimmte Methode allein gar nicht nennen, da es immer auch auf das Anliegen des Klienten ankommt. Wenn dieses bspw. seinen aktuellen beruflichen Status Quo betrifft, agiere ich gerne mit der Methode „Baum der Entwicklung“. Dabei reflektiert und visualisiert der Klient seine bisherige und zukünftige persönliche und berufliche Entwicklung. Diese Methode erlaubt eine ganzheitliche Betrachtung des bisherigen Entwicklungsweges mit all den Zielen und Ressourcen die gegeben waren. Die Visualisierung kann, sollte das Coaching über mehrere Sitzungen stattfinden, für den Klienten immer wieder auch eine Standortbestimmung sein.

Wir bedanken uns für das Interview.

Sven Czecatka
BME-Akademie GmbH
Fachreferent für Lehrgänge

Mehr Informationen zu den Lehrgängen des BME finden Sie folgend:
Diplomierter Einkaufsexperte
Diplomierter Einkaufsmanager
Geprüfte/r Fachwirt/in für Einkauf (IHK)



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