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Berufseinstieg in den Einkauf - Zehn Fragen an den Young Professional Christian Rohrer

Der gelernte Automobilkaufmann Christian Rohrer arbeitet als Jungeinkäufer im Zentraleinkauf der Robert Kunzmann GmbH & Co. KG in Aschaffenburg. Er übernimmt bei der Automobilvertriebsgesellschaft sowohl operative als auch strategische Aufgaben. Im Interview mit dem Karriereportal BME-JobSource gewährt der Young Professional Einblicke in seinen Arbeitsalltag und erklärt seine Sicht auf den Einkauf.
Veröffentlicht am 11.11.2020

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Foto: Christian Rohrer

Herr Rohrer, wie sind Sie auf den Bereich Einkauf gekommen?

Christian Rohrer: Zum Einkauf kam ich durch meine Ausbildung, bei der ich probeweise im Einkauf eingesetzt wurde. Die Arbeit hat mir zugesagt und ich bin dabeigeblieben.

Was interessiert Sie am Einkauf? Was mögen Sie am meisten an Ihrem Job?

Was mich beim Einkauf so begeistert ist die Vielfältigkeit der Arbeit. Sie startet mit den Lieferantengesprächen und endet mit dem Vergleich der Angebote. Diese zwei Aufgaben gefallen mir auch am besten. So wird es nie langweilig. Im Einkauf wird der Kontakt zu Externen mit der reinen Büroarbeit verbunden.

Oft hört man das Vorurteil, dass der Einkauf bloß aus der Bestellabwicklung besteht. Was ist Ihre Meinung dazu? Wie würden Sie das Tätigkeitsfeld eines Einkäufers beschreiben?

Diese Aussage ist absolut falsch. Die Bestellabwicklung ist zwar noch ein großer Teil des Tätigkeitsfeldes, aber man wird als Einkäufer nicht mehr einfach zum Bestellen aufgefordert, sondern schon von Beginn an in die Entscheidungsfindung einbezogen. Außerdem gibt es noch viele weitere Tätigkeitsfelder, die der Einkauf abarbeitet, zum Beispiel Rechnungseingangskontrolle, Verwaltung von Preisen und Konditionen, Lieferantenbewertungen oder auch die direkte Mitgestaltung von Bauprojekten.

Was macht Ihrer Meinung nach eine/n engagierte/n Einkäufer/in aus?

Ein engagierter Einkäufer sollte gute Verhandlungs- und Menschenkenntnisse besitzen. Zudem braucht er den persönlichen Ehrgeiz, die besten Konditionen und das beste Ergebnis für sein Unternehmen auszuhandeln. Er muss einfach die Motivation haben, alles zum besten Preis zu kaufen. Das macht für mich einen engagierten Einkäufer aus.

Eine Frage zum Thema Digitalisierung im Einkauf: Inwieweit macht sich die Digitalisierung, gerade zu Zeiten von Covid-19, bemerkbar?

Meiner Meinung nach beschleunigt Covid-19 die Digitalisierung bzw. es macht sich aufgrund dessen stark bemerkbar. Die Lieferantengespräche finden aktuell per Videokonferenz statt und während des Lockdowns wurden in unserem Unternehmen die Voraussetzungen für das Home-Office verbessert. Die Digitalisierung wurde bei uns aber nicht erst durch Covid-19 vorangetrieben. Schon vorher wurden viele Geschäftsprozesse digital verwaltet. Das soll in Zukunft weiter verbessert werden, zum Beispiel bei der Verwaltung der laufenden Verträge.

Welche Organisationsform hat der Einkauf bei Ihnen im Unternehmen und wie sind die Kommunikationswege?

Wir haben einen Zentraleinkauf und sind in Teilen hybrid, da jeder Standort nach mit uns zuvor abgestimmten Rahmenbedingungen selbstständig Ersatzteile oder entsprechende Handelsware bestellen kann. Dadurch haben wir kurze Kommunikationswege, was entsprechende Flexibilität mit sich bringt.

Was ist Ihre Meinung zu folgender Aussage: „Der Einkauf als Schnittstellenmanagement“?

Diese Aussage ist absolut zutreffend. Man ist die Verbindung zwischen Bedarf und Beschaffung und somit mit allen Abteilungen in Kontakt. Schnittstelle trifft es gut, weil man Kontakt zu Internen (den Abteilungen) und Externen (Lieferanten) hat. Beim Einkäufer läuft alles zusammen.

Was war Ihr spannendstes Projekt bisher?

Das war die Kündigung und Neufindung eines Fahrzeugaufbereiters. Hier war es spannend zu sehen wie umfangreich so ein Thema sein kann. Es war sozusagen mein Einstieg in den Einkauf. Bei der Suche gingen wir wie folgt vor: Ideal wäre laut Anforderungsprofil ein regionaler Aufbereiter, der schon mehrere Autohäuser bedient. Dieser muss über grundlegende Voraussetzungen verfügen, wie die Unbedenklichkeitsbescheinigungen der Krankenkasse, des Finanzamts und der Unfallversicherung. Außerdem muss er eine Erlaubnis zur gewerbsmäßigen Arbeitnehmerüberlassung sowie die Bestätigung zur Einhaltung des Mindestlohngesetzes vorlegen. In weiteren Gesprächen wird dann geklärt, ob der Lieferant unser Fahrzeugvolumen und die saisonalen Schwankungen überhaupt abdecken kann. Sollte dies der Fall sein, ist neben dem Preis die Qualität der Aufbereitung entscheidend. Außerdem war uns wichtig, dass, die Fahrzeugaufbereitungen transparent über ein digitales Tool gesteuert werden kann.

Gibt es bei Ihnen im Unternehmen besondere Kriterien oder Richtlinien in Bezug auf die Nachhaltigkeit?

Ja, wir haben ein paar Kriterien auf die wir achten. Wir sollen so wenig wie möglich ausdrucken, um unnötigen Papierverbrauch zu vermeiden. Dann muss natürlich auf die fachgerechte Entsorgung von zum Beispiel Ölen, Elektroschrott oder Reifen geachtet werden und es gibt regelmäßige Prüfungen energiesparender Maßnahmen.

Was ist Ihrer Meinung nach, auch im Hinblick auf Covid-19, die größte Herausforderung bei der aktuellen Beschaffung?

Eine der Herausforderungen sind definitiv die momentanen Gespräche. Dass diese nicht persönlich sondern per Videokonferenz stattfinden, empfinde ich es als zu distanziert. Man sitzt sich nicht persönlich gegenüber und kann somit nicht mit dem Gesprächspartner interagieren. Auch ist die Sorge vorhanden, dass unsere Bestandslieferanten insolvent gehen bzw. die Preise anziehen. Zudem kommt noch, dass man in der momentanen Situation längere Kommunikationswege hat und wenig Flexibilität aufgrund von Kurzarbeit.

Zur Person:

Christian Rohrer ist 1999 in Oberndorf am Neckar geboren und hat dort die Schule mit der allgemeinen Hochschulreife abgeschlossen. 2017 hat er seine Ausbildung als Automobilkaufmann bei der Robert Kunzmann GmbH & Co. KG begonnen und diese 2020 mit einem Schnitt von 2,0 beendet. Er wurde übernommen und arbeitet jetzt mit weiteren Kollegen*innen im Zentraleinkauf.


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