Personal- und Karriereentwicklung im Supply Chain Management

Komplexe Lieferketten, digitale Transformation und Fachkräftemangel stellen das Supply Chain Management vor neue Herausforderungen. Strategische Personal- und Karriereentwicklung wird zum Schlüssel, um Mitarbeitende gezielt auf zukünftige Anforderungen vorzubereiten.
Veröffentlicht am 30.03.2026

Unternehmen stehen heute vor erheblichen Herausforderungen im Supply Chain Management (SCM). Globale Lieferketten werden zunehmend komplexer, digitale Technologien verändern Prozesse und gleichzeitig steigt der Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Vor diesem Hintergrund gewinnt die gezielte Personal- und Karriereentwicklung im SCM zunehmend an strategischer Bedeutung. Entsprechend ist es erforderlich, Mitarbeitende nicht nur fachlich weiterzubilden, sondern sie auch auf neue Rollen, Technologien und komplexe Entscheidungsprozesse vorzubereiten.

Im Rahmen des Moduls „Führung im Einkauf“ im Masterstudiengang Digital Sustainable Procurement & Supply Management an der Hochschule München wurde daher untersucht, welche Personalentwicklungsmethoden im SCM besonders relevant sind und wie sie von Experten bewertet werden. Grundlage der Untersuchung bildeten qualitative Experteninterviews mit Führungskräften aus Einkauf, Logistik und Produktion verschiedener Branchen.

Personalentwicklung als Erfolgsfaktor moderner Supply Chains

Die Anforderungen an Mitarbeitende im SCM haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Neben klassischem Fachwissen sind heute insbesondere systematisches Denken, digitale Kompetenzen und rollenübergreifende Flexibilitäten entscheidend. Personalentwicklung umfasst daher Maßnahmen, die Mitarbeitende gezielt in ihrer fachlichen, methodischen und sozialen Kompetenz fördern.

In der Literatur werden Personalentwicklungsmaßnahmen häufig in drei zentrale Kategorien eingeteilt:

  • On-the-Job – Lernen direkt im Arbeitskontext
  • Off-the-Job – Trainings außerhalb des Arbeitsplatzes
  • Relationale Methoden – Lernen durch Austausch und Beziehungen

Diese Struktur diente auch als Grundlage für die Analyse der Experteninterviews.

Erfolgreiche Personalentwicklung im SCM kombiniert Praxis, Digitalisierung und Austausch

Die Interviews zeigen, dass Experten insbesondere praxisnahe und erfahrungsbasierte Methoden als besonders wirksam ansehen. Dabei lassen sich drei zentrale Entwicklungsfelder identifizieren:

1. On-the-Job: Lernen durch praktische Erfahrung

Die wichtigste Rolle spielt aus Sicht der befragten Experten das Lernen im Arbeitsalltag. Besonders häufig wurden Maßnahmen wie Job Rotation, Job Enlargement und strukturierte Onboarding-Prozesse genannt.
Diese Methoden ermöglichen es Mitarbeitenden, verschiedene Bereiche der Supply Chain kennenzulernen und ein umfassendes Verständnis für die Zusammenhänge der Wertschöpfungskette zu entwickeln. Gerade in komplexen Lieferketten ist es entscheidend, die Auswirkungen eigener Entscheidungen auf andere Bereiche zu verstehen.

Experten betonen insbesondere folgende Vorteile:

  • verbessertes Verständnis der gesamten Supply Chain
  • stärkere Flexibilität von Mitarbeitenden
  • Förderung von Karriereentwicklung und Motivation

Gleichzeitig weisen die befragten Experten darauf hin, dass insbesondere Job Rotation einer sorgfältigen Planung unterliegt, da zu kurze Rotationszeiten oder eine fehlende Struktur den Lernprozess negativ beeinträchtigen können.

2. Off-the-Job: Digitale Trainings und Simulationen gewinnen an Bedeutung

Neben klassischen „Off-the-Job“-Trainingsformaten, wie Seminaren und Workshops, gewinnen vor allem digitale Lernformate zunehmend an Bedeutung. Besonders hervorgehoben wurden:

  • E-Learning Programme
  • Simulationen logistischer Systeme
  • datenbasierte Trainings

Simulationen ermöglichen es beispielsweise, komplexe Logistikprozesse oder Lagerstrukturen digital abzubilden und verschiedene Szenarien zu testen. Die Experten sehen darin ein großes Potenzial für die zukünftige Personalentwicklung, da Mitarbeitende komplexe Entscheidungen risikofrei trainieren können.

3. Relationale Methoden: Netzwerke als Schlüsselkompetenz

Ein dritter zentraler Erfolgsfaktor ist der Austausch zwischen Menschen. Methoden wie Mentoring, Coaching und Networking leisten einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Führungskräften und Fachkräften im SCM.
Insbesondere Networking wurde von den Experten als entscheidend beschrieben, da viele Herausforderungen innerhalb der Supply Chain durch informelle Abstimmung und Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Bereichen gelöst werden können.

Vorteile relationaler Methoden sind unter anderem:

  • schneller Zugang zu Wissen und Best Practices
  • Unterstützung bei Karriereentwicklung
  • Verbesserung der Zusammenarbeit entlang der Supply Chain

Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass Personalentwicklung im SCM weit über klassische Trainings hinausgeht. Besonders effektiv sind Methoden, die praxisnahes Lernen, digitale Technologien/Formate und soziale Interaktion kombinieren.
Die in Abbildung 1 dargestellten Handlungsempfehlungen greifen diese Erkenntnisse auf und verdeutlichen, wie Unternehmen Personalentwicklung im SCM strategisch, systematisch und zukunftsorientiert gestalten können. Sie zeigen, dass eine erfolgreiche Umsetzung vor allem durch die Verzahnung von praktischer Erfahrung, digitaler Kompetenzentwicklung und bereichsübergreifender Zusammenarbeit erreicht wird.

Autoren:
Sophia Leykam, Lea Lindinger, Leonard Kappler

Hinweis:
Die Studie wurden im Rahmen des Moduls „Führung im Einkauf“ bei Prof. Dr. Florian C. Kleemann im Master-Studienprogramm „Digital Sustainable Procurement & Supply Management“ an der Hochschule München erhoben.

Bild: Pixabay

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