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Gehalt: Gender Pay Gap – Gehaltsunterschiede im Einkauf sind groß

Der Stiftungslehrstuhl für Procurement an der Universität Mannheim hat, unterstützt von BME-JobSource, in einer Umfrage die Gehälter im Einkauf ermittelt. Sie ist eine der umfassendsten unabhängigen Einkaufs-Gehaltsumfragen, die bislang in Deutschland durchgeführt wurden. Der vorliegende Artikel befasst sich mit der Betrachtung der Ergebnisse bezogen auf den Teilbereich der Frauen im Einkauf.
Veröffentlicht am 10.06.2020

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Foto: Pixabay

Für die Einkäufer-Gehaltsumfrage wurden im Zeitraum von Ende Oktober bis Ende Dezember 2019 insgesamt 638 Personen befragt. Während Sie hier einen Gesamtüberblick über die Umfrage erhalten, befasst sich der vorliegende Artikel mit einer Betrachtung der Ergebnisse bezogen auf den Teilbereich des Einkommens von Frauen. Weiterhin wurde die Studie einer spezifischeren Betrachtung des Gehalts von Young Professionals im Einkauf unterzogen. Die Erkenntnisse hieraus können Sie hier nachlesen.

Obwohl in der deutschen Gesellschaft der Ruf nach einer Gleichstellung der Geschlechter im beruflichen wie privaten Umfeld schon seit Jahren ertönt, genügt ein Blick auf den Arbeitsmarkt, um festzustellen, dass die Gleichheit der Geschlechter bislang nicht zur Norm geworden ist.

Frauen verdienen im Einkauf deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen

So liegt das Grundgehalt von Frauen im Einkauf bei 54.500 €, während Männer 70.000 € im Jahr verdienen. Bei diesem Wert und allen anderen Werten in diesem Artikel handelt es sich um den Median, der aussagt, dass 50 Prozent der Befragten mehr und 50 Prozent weniger verdienen. Bezieht man weitere Zusatzleistungen wie bspw. Sonderzahlungen, Boni und Gehaltszuschüsse mit ein, erreichen Frauen ein Gesamtgehalt von 59.200 € und Männer 80.000 €. Nicht berücksichtigt ist hierbei jedoch die Tatsache, dass Frauen seltener Führungspositionen besetzen, öfters in Teilzeit arbeiten als Männer und die Dauer der Erwerbstätigkeit von Frauen zugunsten der Familie häufig hinter der der Männer liegt.

Im Fokus dieses Artikels steht das Gehalt von Frauen im Einkauf, bezogen auf verschiedene, das Gehalt stark beeinflussende Kriterien, wie beispielsweise den Standort, die Branche, die Berufserfahrung und die Qualifikation. 

Wenig überraschend erzielen Frauen in den südwestlichen Bundesländern (insbesondere BY, BW und RLP) mit 64.800 € - 68.000 € das höchste Einkommen, während das Einkommen von Frauen in den nordöstlichen Bundesländern mit 54.000 – 56.000 € deutlich geringer ausfällt.

Die höchsten Gehälter können in der Branche des medizinischen Apparatebaus, der Chemiebranche sowie in der Konsumgüterbranche erzielt werden. Am wenigsten verdienen Frauen in den Branchen Metallerzeugung und –bearbeitung und Informationstechnik / Kommunikation. Dies deckt sich im Großen und Ganzen mit den Erkenntnissen der Gesamtumfrage, welche die Gehälter der Männer mit einbezieht.

Das Gehalt von Frauen im Einkauf liegt bei einem Alter bis zu 25 Jahren bei 45.000 € und steigt bis zu einem Alter von 35 Jahren auf knapp 63.000 €. Frauen im Alter von 36 – 40 Jahren gaben währenddessen an, ein Einkommen von 59.000 € zu erzielen. Dass dieser Wert geringer ist als der Wert der jüngeren Altersgruppe könnte mit der Tatsache erklärt werden, dass sich in dieser Altersspanne gehäuft Frauen befinden, die nach einer zeitweisen beruflichen Pause zugunsten der Familienplanung, den Wiedereinstieg in den Beruf antreten. Gleiches könnte für die Altersspanne der 46 – 50 Jährigen gelten, die mit einem Einkommen von 58.000 € weniger als die Altersgruppe der 41 – 45 Jährigen verdienen. Das höchste Einkommen erzielt die Gruppe der 51 – 55 Jährigen mit 91.000 €, was mit der umfassenden Berufserfahrung der Altersklasse erklärt werden kann.

Das Gehalt hängt stark von Ausbildung und Zusatzqualifikationen ab

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Dass sich die Berufserfahrung im Gehalt widerspiegelt, ist für Frauen im Einkauf nicht anders, als für Angestellte in anderen Bereichen (siehe Abbildung 1). Mit einer Berufserfahrung von drei Jahren kann man ein Jahresgehalt von 49.000 € erzielen. Das Gehalt steigt mit wachsender Berufserfahrung stetig an und erreicht bei einer Berufserfahrung von 13 – 15 Jahren das Maximum von einem Jahresgehalt von 80.360 €.

Die Umfrage ergab ein niedrigeres Gehalt für Personen mit einer Berufserfahrung von 16 Jahren und mehr. Eine mögliche Erklärung hierfür könnte sein, dass in diese Gruppe Personen mit einem niedrigeren Bildungsniveau fallen, die gehaltlich von den jüngeren Menschen mit geringerer Berufserfahrung überholt werden.

Dass das Gehalt stark von dem Grad des Bildungsabschlusses sowie weiterer Zusatzqualifikationen abhängt, kann folgender Abbildung 2 entnommen werden.

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Je nach Bildungsabschluss kann das Gehalt durch eine Zusatzqualifikation zwischen 3.000 und 8.000 € erhöht werden. Das höchste Gehalt mit 74.600 € erzielen demnach Frauen im Einkauf, die einen Master (FH) erworben und sich mit Zusatzqualifikationen weitergebildet haben.

Frauen werden schon beim Einstiegsgehalt benachteiligt

Unabhängig von für den Verdienst ursächlichen Faktoren wie der Tätigkeit, dem Bildungsniveau und dem Alter, lag der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen in Deutschland um 21 % nied­ri­ger als der Verdienst der Männer.* Somit erscheint es wenig überraschend, dass auch Frauen im Einkauf zwischen einem Fünftel und einem Viertel weniger verdienen, als ihre männlichen Kollegen. Abschließend bleibt jedoch festzuhalten, dass das Gehalt bei Frauen im Einkauf mit einer Berufserfahrung von bis zu 3 Jahren bei 49.000 € liegt, während es, unter Einbeziehung der männlichen Befragten, auf 57.700 € steigt. Dies lässt darauf schließen, dass die Einkommensunterschiede bereits mit Berufseinstieg beginnen und nicht nur mit Qualifikation und Führungsebene erklärt werden können. Hilfreiche Tipps zur erfolgreichen Gehaltsverhandlung erhalten Sie hier.

Weitere Ergebnisse der Studie wurden bereits in der Ausgabe (3/2020) des BME-Verbandsmagazins BIP – Best in Procurement am 9.3.2020 veröffentlicht.

Infos zur Umfrage: Herr Prof. Dr. Bode und Herr Gehrlein (Stiftungslehrstuhl für Procurement)

Alina Tillmann, Leiterin BME-Services Personal und Karriere, alina.tillmann@bme.de

 

*Für den unbereinigten Gender Pay Gap werden die absoluten Brutto­stunden­verdienste der Männer und Frauen ins Verhältnis zueinander gestellt, ohne die ursächlichen Faktoren für den Gender Pay Gap zu berücksichtigen. (Quelle: https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-1/gender-pay-gap.html)



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