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"Erlauben Sie sich selbst die Freiheit, Fehler zu begehen. Lernen Sie aus diesen!"

Marco Führer, Leiter des Hauptsachgebiet Beschaffung im Hessischen Polizeipräsidium für Technik (HPT) in Wiesbaden, beantwortet Fragen rund um das Thema (öffentliche) Beschaffung.
Veröffentlicht am 08.03.2021

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Foto: Marco Führer

Marco Führer ist Jurist, zertifizierter Einkaufsleiter und leitet das Hauptsachgebiet Beschaffung im Hessischen Polizeipräsidium für Technik (HPT) in Wiesbaden. Er verfügt über Expertise im Einkauf polizeilicher Spezialbedarfe. Gleichzeitig ist er als (selbständiger) Referent im öffentlichen Auftragswesen, u.a. für Beschaffungsmanagement, Vertrags- und Vergaberecht tätig. Führer studierte Rechtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz (Diplom-Jurist) und schloss ein duales Studium an der Verwaltungsfachhochschule in Wiesbaden (Diplom-Verwaltungswirt) ab.

Herr Führer, bitte erzählen Sie uns kurz, was Sie am Bereich Einkauf gereizt hat, seit wann Sie in diesem Bereich bereits tätig sind und wie Sie zu Ihrer derzeitigen Stelle kamen.

Marco Führer: Nach meinem dualen Studium war mein Wissensdurst nicht gestillt. Daher entschied ich mich, neben dem Beruf als Polizeivollzugsbeamter, Rechtswissenschaften zu studieren. Nach dem Ersten und Zweiten Staatsexamen arbeitete ich im „Projekt Digitalfunk Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) Hessen“ beim Hessischen Ministerium des Innern und für Sport (HMdIS). Hier kam ich erstmals in der Praxis in Berührung mit Vertrags- sowie Vergaberecht. Das Interesse am Einkauf, d.h. dem öffentlichen Auftragswesen - war geweckt. Den Vollzugsdienst verließ ich dann kurze Zeit später, als ich die Aufgabe des Vergabejuristen und anschließend die Leitung der zentralen Vergabestelle im Hessischen Polizeipräsidium für Technik übernahm. Diese Aufgabe nehme ich bereits seit mehr als fünf Jahren wahr.

Sie arbeiten für das hessische Polizeipräsidium für Technik. Was genau beschaffen Sie?

Die polizeilichen Aufgaben, hierzu gehören die Einsatzbewältigung, die Gefahrenabwehr, die Kriminalitätsbekämpfung, die Präventionsarbeit und die Verkehrssicherheitsarbeit, sind nur durch eine leistungsfähige und gut ausgestattete Polizei angemessen zu bewältigen. Angesichts der gegenwärtigen Sicherheitslage ist es ein ambitioniertes Ziel, die technische und taktische Ausstattung weiterzuentwickeln und zu beschaffen, um den Polizeibediensteten den besten Schutz und ein modernes Arbeiten zu ermöglichen. Das HPT vertritt das Land Hessen als zentrale Einkaufsorganisation für polizeiliche Beschaffungen. Es beschafft Spezialbedarfe, die unmittelbar der Aufgabenerfüllung der Polizei dienen.

Was ist das Besondere an Ihrer Position als vergaberechtlicher Einkaufsleiter bei der Polizei?

Regelmäßig vor neue Herausforderungen gestellt zu werden und hierbei flexibel die Anforderungen der Bedarfsstellen zu erfüllen. Es ist auch gut zu wissen, dass die beschafften Einsatztechniken dazu dienen, Menschenleben zu retten und Straftätern das Handwerk zu legen.

Was unterscheidet die öffentliche Beschaffung von der privaten Beschaffung?

Behörden sind keine produzierenden Wirtschaftsunternehmen, sondern Endkunden. Es gibt keine Lieferkette und das Ergebnis des Einkaufs wirkt sich auf keinen Gewinn vor Zinsen und Steuern aus. Im Kern liegt das Ziel des Einkaufs darin, rechtskonform und qualitätsgesichert einzukaufen, d.h. in transparenten, diskriminierungsfreien und wettbewerblichen Verfahren das wirtschaftlichste Ergebnis zu erzielen.

Welche Aufgaben stehen bei Ihnen täglich an?

Gemeinsam mit den rund 25 Mitarbeitern*innen in den Bereichen „Vergabemanagement“, „Vertragsmanagement“ und „Kompetenzstelle Beschaffung“ stelle ich sicher, dass von der Vorbereitung über die Durchführung des Vergabeverfahrens bis zur Bestell- und Vertragsabwicklung alles möglichst reibungslos läuft. Bei einem Vergabevolumen von rund 200 Millionen Euro im Jahr 2020 – u.a. mitbedingt durch COVID-19 – hatten wir einiges recht kurzfristig umzusetzen.

Welche Voraussetzungen muss ein Einkäufer Ihrer Meinung nach auf jeden Fall mitbringen, um in Ihrem Team eingestellt zu werden?

Sehr gute Einkäufer*innen arbeiten selbstständig, eigeninitiativ und zuverlässig. Sie sind Netzwerker und Teamplayer, können respektvoll und wertschätzend mit anderen Menschen umgehen, können sich sprachlich gut ausdrücken und sind meist kreativ.

Welche Erfahrung oder Herausforderung hat Sie in Ihrem Job besonders geprägt?

Zu Beginn habe ich als Führungskraft einige „Fettnäpfchen“ mitgenommen. Damals habe ich mich sehr darüber geärgert und gedacht, dass Fehler als Zeichen der Schwäche gelten und als Mangel der Persönlichkeit betrachtet werden. „Wer Fehler macht, ist nicht gut in dem, was er tut“, dachte ich. Der größte Fehler, den die meisten Menschen begehen, ist es, eben diese Annahme zu treffen. Daraus resultieren nur negative Folgen, allen voran Unsicherheit und Stress. Ich habe gelernt, dass Fehler – sofern sie trotz aller Qualitätssicherung wider Erwarten passieren – auch Gutes mitbringen. Darum mein ausdrücklicher Appell: Erlauben Sie sich selbst die Freiheit, Fehler zu begehen. Lernen Sie aus diesen!

Welchen Rat haben Sie für Einkäufer, die wie Sie, aufsteigen wollen?

Wichtig ist es, einen persönlichen Mentor zu finden. Ein Mentor steht seinem Mentee mit Rat, Informationen und Orientierung zur Verfügung. Es ist darauf zu achten, dass der Mentor auch ein Händchen für Coaching hat und daran interessiert ist, seinen erlebten Erfahrungsschatz weiterzugeben und Wissen auszutauschen. Hilfreich ist auch, sich ein Kontaktnetzwerk aufzubauen und zu pflegen. Aufgeschlossene Kontakt- und Kommunikationsfreude sowie ein aufrichtiges Interesse am Gesprächspartner sind hierbei sehr hilfreich und können erlernt werden. Auch die Wahl der richtigen Plattform richtet sich nach den beruflichen Zielen und Interessensschwerpunkten. Ich habe mich z.B. für das „Verwaltungs- und Beschaffernetzwerk (VUBN)“, das „Deutsche Vergabenetzwerk“ (DVNW), das OptiSo-Netzwerk sowie ein XING-Profil entschieden.

Sie sind Mitglied beim BME. Inwiefern erhalten Sie durch den Verband Unterstützung?

Als Vertreter des Mitglieds „Land Hessen“ nehme ich regelmäßig an den Treffen der Fachgruppe „Öffentliches Auftragswesen“ des BME teil. Im Rahmen der Fachgruppenarbeit werden praxisnahe, aktuelle Themen erörtert und es besteht die Möglichkeit sich mit den Teilnehmern*innen umfassend auszutauschen.

Wo sehen Sie den Einkauf in der Zukunft? Streben Sie derzeit weitere berufliche Ziele an? Wenn ja, welche?

Andere Wege würde ich nie ausschließen: Aktuell forciere ich meine Tätigkeit als selbständiger Fachreferent im öffentlichen Auftragswesen. Wir leben in einer Wissensgesellschaft. Informationen und Wissen sind wertschöpfende Faktoren in der Wirtschaft und der modernen Gesellschaft – dies gilt auch für den öffentlichen Dienst! Lernen dient der persönlichen und organisatorischen Horizonterweiterung und führt sprichwörtlich dazu, die „eigene Säge zu schärfen“. Ich setze mich dafür ein, dass die Vergabestellen in ihrem Beschaffungs- und Vergabewirken noch besser werden, z.B. um die Ziele einfacher und schneller zu erreichen.
Und ganz aktuell wurde ich aufgrund der COVID-19-Krise zur Taskforce „Beschaffung und Verteilung / Impfzentren Land Hessen“ beim HMdIS vorübergehend abgeordnet, um die IT-Beschaffungen der hessischen Impfzentren vertrags- und vergaberechtlich zu begleiten.

 

Wir bedanken uns für das Interview.

Marco Führer
Hessisches Polizeipräsidium für Technik
Einkaufsleiter


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