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Personalperspektiven für den Einkauf der Zukunft - Mauerblümchen, Roboter oder Alleskönner?

Im Gespräch mit dem Karriereportal BME-JobSource erläutert der Wissenschaftler Herr Prof. Dr. Kleemann, was den zukünftigen Einkäufer auszeichnet, wie sich das Berufsbild entwickelt und worauf es zu achten gilt.
Veröffentlicht am 09.11.2021

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Foto: Florian C. Kleemann

Herr Prof. Dr. Kleemann, der Wandel des Einkaufs ist im vollen Gange. Konkreter gesagt haben sich die Ziele (und damit Anforderungen) im Einkauf in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt. Wie ist der Wandel im Berufsbild sichtbar?

Prof. Dr. Kleemann: Zunächst würde ich mal anmerken, dass der Wandel im Einkauf seit Jahrzehnten propagiert wird – und auch sichtbar ist. Abgeschlossen wird dieser Prozess aber nie sein, weil wir ja nicht in einem geschlossenen System agieren. Aber auch wenn die Veränderung unterschiedlich schnell von statten geht: Früher wurden Einkäufer:innen eher zufällig aus anderen Funktionsbereichen übernommen. Die Möglichkeiten, das fokussierte Berufsbild des Einkaufs zu erlernen, z. B. an Hochschulen, hat in jedem Fall zugenommen – und auch die bewusste Entscheidung für das Berufsfeld.

Haben sich auch die Wertbeitragspotentiale des Einkaufs entwickelt?

Vielleicht nicht so stark, wie sich das mancher – auch ich – wünschen würde. Allzu oft wird der Einkauf nur gegen Ende der Bedarfsdeckung losgeschickt, um noch ein paar Einsparungen zu holen. Die Folgen der Corona-Pandemie haben wenigstens dazu geführt, die Kernaufgabe des Einkaufs – externe Versorgung – wieder stärker in den Fokus zu rücken. Doch gerade bei den Zukunftsthemen Innovation, Nachhaltigkeit und Digitalisierung ist noch viel Luft – da gilt es, den Einkauf entsprechend aufzustellen.

In der Folge hat sich die Rolle des Einkaufs deutlich gewandelt – vom „Bestellbüro“ zum digitalen „Alleskönner“. Welche Folgen hat dies für die Mitarbeiter:innen?

Um zu Zukunftsthemen zusätzliche Wertbeiträge anbieten zu können, braucht es in jedem Fall zusätzliche Kompetenzen. Die Aufgaben werden sich von ausführenden, repetitiven hin zu projektorientiert-managenden wandeln. Das heißt dann natürlich auch, dass bestehende und auch zukünftige Mitarbeiter:innen gezielter entwickelt werden müssen. Zudem glaube ich, dass wir differenziertere Rollenbilder bekommen werden – Einkäufer:in wird ein vielfältiger Job bleiben. Aber Generalisten haben bei zunehmend professionelleren Tätigkeiten, Stichwort "Wandel“, tendenziell eine abnehmende Bedeutung. Projektmanager, Datenanalysten, IT-affine Prozessoptimierer oder kreative Innovatoren (m/w/d) – das werden zukünftige spezialisierte Einkaufspositionen sein.

Tatsächlich bringt das neue, erweiterte Rollenverständnis des Einkaufs auch umfassende Änderungen an das Anforderungsprofil des Personals mit sich. Auf welche zukünftige Anforderungen müssen wir uns einstellen?

Die vorerwähnten differenzierten Rollenbilder führen auch zu entsprechenden Anforderungsprofilen – DIE Einkaufs-Qualifikation à la „one size fits all“ ist dafür schlicht unzureichend. Die generelle Erwartung geht aber dahin, mehr sozial-kommunikative, methodische sowie fachliche Kompetenzen, bei letzterem z. B. bezüglich IT, zu erwarten. 

Sowohl unternehmensintern als auch bei Bewerber:innen hat der Einkauf selten ein überzeugendes Außenbild – es überwiegen (noch) die Negativmeinungen. Was können Unternehmen tun, um die Außenwirkung des Einkaufs besser zu gestalten?

Wer schon im Einkauf arbeitet tut es weit überwiegend sehr gerne. Manchmal wäre es vielleicht gut, das interne Image ein bisschen weniger als „Kostendrücker“ oder „Richtlinienpolizei“ darzustellen und ein bisschen stärker als Partner auf Augenhöhe. Was ich allerdings feststelle ist, dass wir insbesondere beim Nachwuchs noch erheblichen Nachholbedarf haben – das fängt mit der Wahrnehmung gegenüber anderen Funktionsbereichen wie Marketing oder Personal in frühen Ausbildungsphasen an und hört bei unzureichenden Einstiegsmöglichkeiten auf. Da sind dann auch die Unternehmen bzw. der Einkauf selbst gefragt, kreative Wege zu finden – zum Beispiel aktives Personalmarketing oder die Schaffung von Trainee-Stellen, um die Nachwuchskräfte gezielt an die herausfordernden Aufgaben und die hohe Eigenverantwortung heranzuführen.

Können Sie uns einen Ausblick in die Personalperspektiven im Einkauf geben?

Es bleibt auf jeden Fall spannend – und gut zu tun gibt es auch. Letztendlich wird der langfristige Wandel des Einkaufs immer davon abhängen, wie gut das Personal dafür gerüstet ist. Das wiederum fängt in den meisten Fällen mit fähigen, dynamischen Führungskräften an. Ich kenne zahlreiche Beispiele, wo es vor allem deren „Unternehmergeist“ war, der dem Einkauf einen Schub gegeben hat. Je höher die Attraktivität des Einkaufs als Tätigkeitsfeld, desto mehr Top-Kandidat:innen werden dort arbeiten – was wiederum den zukunftsorientierten Wandel des Einkaufs beschleunigen wird. Eine professionelle Personalarbeit für und durch den Einkauf ist jedenfalls längst überfällig.

In drei Worten – was macht für Sie das Berufsbild des Einkaufs spannend und attraktiv?

Abwechslungsreichtum – Vielfalt - Dynamik

Wir bedanken uns für das Interview.

Zur Person:
Florian C. Kleemann ist Professor für Supply Chain Management an der Hochschule München und betreut dort das Fachgebiet „Einkauf & Beschaffung“. 2020 hat er mit seinem Team das Masterprogramm „Digital Procurement & Supply Management“ ins Leben gerufen, das 2022 im Aspekt der „Nachhaltigkeit“ erweitert wird. Seine Lehr-, Forschungs- und Beratungsarbeit widmet sich dem „Einkauf der Zukunft“.

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